Bausünde oder Baudenkmal?

In den 60er Jahren wurde viele historisch wertvolle Bausubstanz planiert, um dem Zeitgeist zu weichen. Wie das Kaufhaus Schocken in Stuttgart. Der Schocken musste einem Horten-Kaufhaus weichen.

Das was 1960 – wohl zurecht – als Bausünde empfunden wurde hat inzwischen mancherorts Eingang in die Denkmallisten gefunden. Weil es eben typisch für eine Zeit war und heutzutage nur noch selten anzutreffen ist. Aus heutiger Sicht fast skuril mutet die Aussage von 1959 an, in der vor dem Denkmalschutz an Kaufhäusern gewarnt wurde. Weil die damals entstandenen Bauten inzwischen ebenfalls erhaltenswert sind und teilweise bereits unter Schutz stehen.

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Um den Minifiguren in meiner Stadt die vielfältigen Einkaufsmöglichkeiten eines Vollsortimentlers bieten zu können und die Ambiente meiens Ortes durch wertvolle Architektur zu bereichern, habe ich mich entschlossen ein Warenhaus zu errichten. Natürlich wird diesen ein „hässlicher Klotz“ hingestellt. Übrigens: Vollsortiment bedeutete damals nicht nur eine Lebensmittelabteilung, sondern auch Autozubehör und Möbel.

Neben den Gebäuden sind in den letzten Jahrzehnten viele einst wohlklingende Namen an den Kaufhäusern verschwunden. Die Liste aus den letzten 20 Jahren ist sicher unvollständig und enthält nur die großen heute nicht mehr existenten Kaufhaus-Ketten:

Auch die in ihrer ursprünglichen Form nicht mehr existenten Versandhändler Neckermann (bis 1976) und Quelle (bis ca. 1990) sowie der Drogist Schlecker (bis 2012) unterhielten an mehreren Standorten eigene Kaufhäuser.

Heute sind vor allem die Häuser der Galeria Kaufhof noch in vielen Innenstädten zu finden. Karstadt wurde inzwischen unter den Finanzinvestoren weitergereicht und hat auf diesem Weg zahlreiche Standorte aufgegeben. Mit teils gravierenden Folgen für die Innenstädte.

An den Fassaden zahlreichen der verbliebenen Galeria Kaufhof-Filialen haben häufig bereits andere Logos gehangen. An einigen Standorten erkennt man die Vergangenheit eines Kaufhofs auf den ersten Blick. Denn ein wesentliches Merkmal der ehemaligen Horten-Warenhäuser waren die von Egon Eiermann entworfenen „Hortenkacheln„. Daher fiel mir die Wahl eines charakteristischen Vorbilds nicht schwer.

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Hier sind die Kachlen an einem Kaufhaus in Hannover, das heute auch äußerlich erheblich umgebaut als Galeria Kaufhof genutzt wird, zu finden.
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Nach einigen Versuchen die Hortenkacheln detaillierter nachzubilden habe ich mich für eine Fassadengestaltung aus weißen Firststeinen entschieden. Die Elemente Hortenkacheln werden damit zwar nicht absolut korrekt, aber m. E. durchaus stimmig nachgebildet.

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Rund 1.400 Firststeine bilden die Frontfassade. Bis das Kaufhaus von allen Seiten fertig ist werden wohl über 4.000 davon verbaut werden müssen. Damit die Proportionen zu den Nachbarhäusern stimmiger werden müsste der Klotz eigentlich doppelt so groß werden. Vielleicht gibt es die ja mal in der Fabrik in Günzburg? Für mich ist mal wieder die Aussage, das man jedes Element prima verbauen kann, wenn man nur genug davon hat, bestätigt. Auch wenn diese sicher nicht für jedes Element gilt.

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Die Fassaden werden aus Platten, überwiegend im Format 16×16 gebildet. Innen bildet ein schlichter Quader aus 1.500 Basics das Grundgerüst. Endlich konnte ich auch mal die ungeliebten, gelben Steine verbauen. Alle 5 Reihen wurden ein paar
Brick, Modified 1 x 1 with Stud on 1 Side (87087) verbaut, die ich in größerer Menge an der Pick-A-Brick Wand im Kölner Store ergattern konnte. An diesen Snot-Konvertern halten die Platten in ihrer senkrechten Einbauposition.

Eine originale Hortenkachel konnte ich inzwischen auch erwerben. Diese misst etwa 50 x 50 x 20 cm.

Das Modell werde ich, wohl noch nicht fertig gestaltet, mit zu ABSolut Steinchen 2015 nach St. Augustin bringen. Noch überragt das Original meinen 54 x 72 x 40 cm großen Einkaufstempel.

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Kurz nach der Fertigstellung meines Kaufhaus Ende der 60er verkauft der Kaufhausgründer seine Firma und setzt sich, ohne dass der deutsche Staat angemessen am Vermögenszuwachs beteiligt wird, in die Schweiz ab. Wohl auch aus Dankbarkeit für dieses Gesetz erfolgte Millionenspende des Kaufhaus-Gründers an eine Partei. Als Anspielung darauf wurde im Zuge des Parteispendenskandals über Parteivermögen, die durch „Horten und Flicken“ entstanden seien, gefrotzelt.

Ein Gedanke zu „Bausünde oder Baudenkmal?

  1. Hallo Thomas

    Auf AbsolutSteinchen durfte ich ja dein Kaufhaus bewundern und kann nur sagen Super und stimmig umgesetzt 100% wiedererkennungswert.

    mfg GBCPeter ( von Dr-Brick der auch Aussteller war)

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