MOC: Caltex-Tankstelle

Mein aktuelles MOC ist mal wieder eine alte Tankstelle mit realem Vorbild. Für mich ist es wichtiges Modell, da ich hier jede Menge „erwachsene“ Bautechniken für mich erstmalig umgesetzt habe.

  • Das Kassenhaus ist nicht vollständig rechtwinklig
  • Das Gebäude ist nicht im rechten Winkel auf der Grundplatte angeordnet. Bei dieser Anordnung haben ein paar Einer Rundplatten und der Pythagoras geholfen.
  • Ich habe mich nicht stören lassen, dass Noppen zu sehen und manche Stellen nicht gefüllt sind
  • Um die Kontur des Dachs „runder“ erscheinen zu lassen, habe ich Schläuche an die Kante gesetzt.

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Auf die Ausstattung in der Originalmarke habe ich verzichtet, da das Originallogo inzwischen einem Modellautohersteller gehört und ich keine Lust auf Diskussionen mit deren Anwälten habe. Zudem haben mir die Octan-Fähnchen so gut gefallen, dass ich diese in großer Zahl zur Ausschmückung verwendet habe.
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Früher musste der Pächter bei einer Preiserhöhung noch auf die Leiter steigen und die entsprechenden Ziffern auf der Preistafel austauschen. Dementsprechend selten waren diese – und wurden sogar in der Tagesschau besprochen. Heute ändern sich die Preise meist mehrfach an einem Tag. Meinem Tankwart habe ich die entsprechende Aktivität ermöglicht.
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Die Blende über den Zapfsäulen beinhalten zwei Tricks, für die ich wenig bekannten mich älteren Teilen bedient habe.
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Die Stützstrebe benötigt nach beiden Seiten Noppen. Die rechte und linke Hälfte müssen Noppe an Noppe verbunden werden.
Im ersten Fall habe ich unten in den Stein den Pin eines Gelenks aus meinen Kindertagen (3149c01) gesteckt. Die Idee wurde hier mal präsentiert. Ich werde mir mal 5mm Rohr besorgen, um unpuristisch seltene, alte Teilevorräte zu schonen.
Für die Verbindung Noppe an Noppe habe ich einen Clikits-Ring verwendet.

Die Vorbilder

Im Jahr 1969, dem Zeitpunkt des größten Tankstellennetzes, gab es in den alten Bundesländern 46.684 Tankstellen. Heute sind im wiedervereinigten Deutschland noch um die 14.000 Tankstellen in Betrieb. [1]

Mit deren Gebäuden wurde meist achtlos umgegangen. Die verbliebenen Tankstellen wurden regelmäßig an das CI des jeweiligen Mineralölkonzerns angepasst. Auch durch die gesetzlichen Vorgaben wurden immer wieder Umbauten erforderlich. Dazu konzeptionelle Änderungen wie Selbstbedienung und Shops.

Die aufgelassenen Tankstellen fanden häufig ein zweites Leben, als Standort eines Gebrauchtwagenhändlers, als Autovermietung oder auch als Schnellimbiss. Dabei wurde den jeweiligen Erfordernissen entsprechend umgebaut. Oder die belastete Altlast wurde im Rahmen einer Sanierung gleich ganz abgerissen.

Inzwischen finden sich die schönsten der erhaltenen Exemplare auf den Denkmallisten wieder. Ein erstes Exemplar wurde bereits in ein Freilichtmuseum versetzt. [2] [3]

Unter diesen erhaltenswerten Exemplaren finden sich auch die Tankstellen des nicht mehr in Deutschland aktiven Konzerns Caltex, California Texas Oil Company, kurz Caltex. Dieser war ein Joint Venture von The Texas Company (später Texaco) und Standard Oil of California (später Chevron). Heute ist Caltex eine in Europa nicht mehr genutzte Marke der Chevron Corporation. [4] Die Deutschen Tankstellen wurden wohl bis 1972 in Chevron umgelabelt, deren Tankstellen im Zuge der Fussion von Chevron und Texaco erneut die Marke gewechselt haben. Nach dem Flaggenwechsel in Dea ist man heute bei Shell angelangt.

Diese hatte auf dem Deutschen Markt ab 1956 zahlreiche Tankstellen nach einen Enwurf von Willy H. Weisensee gebaut. Dieser wurde nüchtern als Typs 3 „Tankwarthaus mit langem Dach“ bezeichnet. Hier die als Denkmal erhaltene und restaurierte Tankstelle in Hannover-Badenstedt, Burgundische Straße 26. Ich habe mir dieses Baudenkmal kürzlich selbst angeschaut. Das Gebäude ist wirklich klasse erhalten. Besonders gefällen mir die noch im Original erhaltenen Einbauschränke im Verkaufsraum.
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Auch wenn ich keine Jugenderinnerungen an diese Marke habe und erst kürzlich auf die entsprechenden Vorbilder gestoßen bin, hat es mir dieses Vorbild angetan. Nachdem ich viele schöne, aber einfach rechtwinklige Gebäude gebaut habe, suchte ich ohnehin eine neue Herausforderung. Diese beginnt bereits beim trapezföigen Kassenhaus. Das prägnante Dach ist beim Original eine Stahlbeton- oder Holzkonstruktion. Im Modell aus LEGO®-Steinen erhält der Dachflügel durch die Beine von Minifiguren seine geschwungene Form. Damit es in Form bleibt, habe ich zusätzlich einige Technik-Liftarme verbaut, die die Zugkräfte aufnehmen. Schließlich wollte ich die Tankstelle diesmal nicht parallel zur Straße anordnen, sondern in eine Straßenecke bauen. Dabei hilft der Phytagoras und die Anordnung von Rundeinern im Abstand von 3-4-5 Studs.

Die Fotos von den erhaltenen Gebäuden waren für den Nachbau hilfreich. Bekannt sind mir die bekannten nachfolgenden Standorte:

Ausführungen zur farblichen Gestaltung finden sich auf der Seite der hessischen Denkmalschützer, die Tankstelle in Hofgeismar ausgiebig untersucht haben. Obwohl die Farben des Konzerns weiß und rot sind, ist das Gebäude in weiß-dunkelgrün gestaltet. Entsprechend habe ich das auch umgesetzt.

Das einzige Foto einer Tankstelle im Betrieb habe ich bei den „Gelsenkirchener Geschichten“ gefunden. Auch in der entsprechenden Literatur findet sich kaum etwas zu Caltex in Deutschland. Daher musste ich bei der Gestaltung doch sehr improvisieren und habe mich um ein stimmiges Gesamtbild bemüht.

Nachtrag April 2015

Das Buch „Abgetankt“ von Joachim Gies kennt noch zwei weitere Standorte:

  • Gevelsberg, Haßlinghauser Straße 90
  • (Luftbild)

  • Gladbeck, Landstraße 63
  • (Luftbild)

4 Gedanken zu „MOC: Caltex-Tankstelle

  1. Literatur dazu: Karl-Robert Schütze: Zwei Tankstellen – ein Architekt? Der Bau von Typentankstellen am Ende der fünfziger Jahre und ihre vergessenen Architekten Willy H. Weisensee und Walter Hämer, in: Mannheimer Geschichtsblätter 30, 2015, S. 10-20.

  2. Das Bild mit „Uns Uwe“ beim Betanken ist auch in der aktuellen AUTO BILD KLASSIK im Artikel über die Autos früherer Fussball-Stars zu sehen.

  3. Ein weiteres CALTEX Tankwarthaus mit langem Dach steht gut erhalten in der Bramfelder Chaussee kurz vor dem Dorfplatz in Hamburg. Zur Zeit wird die Immobilie von einem Kfz.-Gutachter genutzt. Ursprünglich wurde diese Tankstelle 1964 von Uwe Seeler erbaut und betrieben.

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