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Kleiner Wagen auf großer Fahrt

Inzwischen ist das Diorama, dass ich für den Wettberwerb „ocTRAINber“ des Brick Modell Railroaders erstellt habe, fertig gebaut und fotografiert.

Durch Michel (MTM) wurde ich auf den OcTRAINBer 2020 aufmerksam. Und sein erstes Foto zum Wettbewerb sollte, wie sich später herausstellt, auch meine Idee befruchten. Danke, Michael!

Zunächst hatte ich überlegt, was ich gerade im Bau habe:

  • eine V36 mit Steuerwagen. Das gibt halt einen Zug, aber kein Diorama. Die V36 verkehrte in den 50er Jahren in mehreren Ballungsräumen mit Personenzügen im Wendezugbetrieb. Die V36 ist kein wirklich eigenes Werk, sondern eine (noch nicht final fertiggestellte) Modifikation nach der Bauanleitung von bricks-on-rails.de.
  • einen württembergischen Einheitsbahnhof mit einem Stückchen Schmalspurbahn. Da komme ich mit zwei Grundplatten kaum nicht hin. Außerdem stehe ich mit dem Modellen noch ziemlich am Anfang. Aber das wird bestimmt mal ein tolles Modell.
  • etwas mit meinen Formsignalen. Beispielsweise die Signalbrücke von Thiergarten im Donautal.
  • mein Wattenweiler. Würde in die größte Kategorie passen und wurde fertig und zum ersten mal nach dem 1. August 2020 präsentiert. Aber die ersten Baufotos wurden vor mehr als einem Jahr veröffentlicht. Also leider für den Wettbewerb nicht neu genug.

Daher zurück zu Michael. Das erstes Foto seines Wettbewerbsbeitrags mit der 9V-Kreuzung hat mich an die kleine 90°-Kreuzung von Trixbrix erinnert. Und an das, was ich daraus schon immer mal bauen wollte: Einen Schuppen für die Bahnmeister-Draisine Klv 12. Da diese Draisinen über eine Hebevorrichtung für den Fahrtrichtungswechsel verfügen, wurden deren Schuppen häufig rechtwinklig zum Gleis angeordnet.

Von diesem Draisinentyp hat die Deutsche Bundesbahn zwischen 1953 und 1962 knapp 700 Exemplare beschafft. Damit sollte fast jede Bahnmeisterei über ein solches Gefährt verfügt haben. Angetrieben wird die Draisine mit einem vom Käfermotor abgeleiteten VW-Industriemotor mit 28 PS. Die Höchstgeschwindigkeit des „Kleinwagen mit Verbrennungsmotor“ beträgt 60 km/h. Da der Kleinwagen die Schaltkontakte der Bahnübergänge sowie den Streckenblock nicht sicher auslöst, mussten die Fahrten mit der Draisine fahrdientlich besonders behandelt werden.

Um wenigstens gewisse Chancen im Wettbewerb zu haben, wollte ich in der kleinsten Kategorie starten. (maximal zwei Grundplatten). Eigentlich wollte ich mit einer Platte auskommen, am Ende wurden es schließlich anderthalb Platten. Zudem ist schnell-bauen nicht mein Ding, daher lieber klein bleiben. Passt auch besser zu einem Kleinwagen. Den Klv 12 hatte ich bereits gebaut. Auch mit dem knuffigen Vorbau der frühen Ausführungen. Mit Drehvorrichtung, wenn auch nicht ausfahrbar.

Fotos von einem Schuppen, der mir als passendes Vorbild hatte ich zunächst nicht wirklich gefunden. Nur ein paar Fotos von Modellbausätzen. Als Dach wollte ich die rostig bedruckten 6×8-Slopes verwenden. Damit es zur Breite des Schuppens passt wurde das Dach nicht spitz, sondern in eine Richtung geneigt. Für die Verschalung mit Brettern habe ich die bereits in Wattenweiler bewährte Snot-Bauweise mit 1×4-Steinen mit 4 Frontpins sowie Fliesen zurückgegriffen. Später fand sich im ungarisch-rumänischen Grenzgebiet noch ein beängstigend gut passendes Vorbild.

Um das Modul auch mal anderweitig einsetzen zu können habe ich mich, wie bereits in Wattenweiler, an dem LEN-Standard orientiert. Abweichend vom Standard habe ich zusätzlich Magnete verbaut, um die Module sicher zusammenzufügen. Zudem werden die Grundplatten mit doppelseitigem Klebeband auf eine 4mm Sperrholzplatte geklebt. Dadurch lassen sich vor allem größere Module sicher transportieren.

Nachdem der Prototyp des Schuppens stand, zeigte sich dass ich noch etwas Deko benötige. Eine herbstliche Birke. Und eine Wellblechhütte. Und ein Fußwegübergang mit Umlaufschranke. Also eine halbe Platte mehr. Das Diorama bleibt klein. Mit dem zum Oktober gehörenden Herbst ist leider nichts geworden, da ich mich, von Jojo inspiriert, für die kleinen Blätter entschieden habe. Herbstliche Farben gibt es da nur bei Bluebrixx (gelb) und direkt in China (bright orange, orange). Zwischen Entscheidung und Abgabetermin reiche die Zeit leider nicht mehr aus, alle passenden Farben zu erhalten.

Der Bau der Wellblechhütte war eine Herausforderung, da auf Grund der verwendeten Gitterfliesen einerseits alles unterbaut sein muss, anderseits die Wände aber nicht zu sehr auftragen dürfen. Auch das möglichst zumindest halbwegs rundes Dach, ebenfalls aus Gitterfliesen, darf nicht zu sehr auftragen. Die gefundene Lösung erscheint mir akzeptabel.

Der Fußgängerübergang meines Diroramas ist mit einer Umlaufschranke gesichert. Zusätzlich ist hier auch ein Blinklicht angebracht. Das kommt beim Vorbild nicht häufig vor, aber es ist realistisch. Das habe ich vor allem gemacht, um die Blinklichter aus dem Set 7866 „Remote Controlled Road Crossing“ von 1983 mal einzusetzen. Diese orientieren sich recht nahe an deutschen Vorbildern.

Das Umlaufgitter entstand, aus der Not heraus, aus Roboterarmen und 3L-Laerschwertern. Die roten (und andere) Laserschwerter hatte ich erst kurz zuvor beim Kundendienst geordert, da man diese immer gebrauchen kann und diese dort günstig zu bekommen sind.

Auf den Lichtbaustein und die massiven Stecker wollte ich jedoch verzichten. Passen doch handelsübliche 5mm-LED genauso in die Lichtöffnung des Blinklichts. Statt des Originalen Blinkgebers habe ich den Bausatz „Velleman MK102 Blinklicht“ verwendet. Abweichend von der Bauanleitung sind die LED nicht auf der Platine verlötet. Wenn man die beiden Kondensatoren und Transistoren liegend montiert, passt die Elektronik vollständig in des nach LEN gebaute Schotterbett. Mit schwarzem Schrumpfschlauch habe ich die Kabel zur LED ein wenig getarnt.

Extra für den Wettbewerb habe ich mir noch eine große Lichtbox gekauft. Dieses Modell lässt sich sehr einfach zusammenklappen und so leicht verstauen.

Im Wettbewerb sind ganz fantastische Modelle eingereicht worden. Daher rechte ich mir keine all zu großen Chancen auf eine Platzierung aus. Dennoch fühle ich mich zwischen all den fantastischen Baumeistern nicht deplatziert. Das ist – auch ohne Preis – ein gutes Gefühl.

Ach ja: Am Abend der Abgabe kam mir, kurz vor dem Einschlafen, noch eine Idee für eine Szenerie, die ebenfalls hervorragend in den Wettbewerb gepasst hätte. Vielleicht realisiere ich die mal später.

Auf der ein oder anderen Ausstellung wird das Modul bestimmt zum Einsatz kommen.

Das war noch Blech!

Inselfest Baienfurt 1987
„Das war noch Blech!“ – diesen Ausspruch wird der Besitzer eines Mercedes/8 oder eines anderen, einen soliden Eindruck machenden Oldtimers sicher nicht mehr hören können. Wer allerdings ein wirklich sattes Türschließgeräusch erleben möchte, dem sei eine Fahrt in „Umbauwagen“ empfohlen. Die massiven, einflügeligen Türen benötigen beim Schließen zwar einen gewissen, nachdrücklichen Schwung. Aber dann sind sie auch zu. Heute wäre der Einsatz dieser Wagen im Planverkehr undenkbar. Schließlich sind diese weder mit einer automatischen Schließvorrichtung, noch mit einer Türblockierung ab 0 km/h („TB0“) ausgestattet.
jetzt real gebaut: vierachsiger Umbauwagen B4yg
Diese Bauart entstand in großer Zahl zwischen 1953 und 1961 auf den auf ein einheitliches Maß gebrachten Fahrgestellen veralteter Wagen aus der Länderbahnzeit. Insgesamt entstanden in den Ausbesserungswerken der Deutschen Bundesbahn 6.583 dreichsige sowie 1.821 vierachsige Wagen. Entsprechend stark präsent waren diese Wagen in der Dampflokzeit auf den Strecken der Bundesbahn. Ausgemustert wurden die letzten Wagen Dreiachser Mitte der 80er, die letzten Vierachser Anfang der 90er. Recht viele Wagen sind heute bei Museumsbahnen im Einsatz. Von meiner ersten Studentenbude an der Rothaarbahn aus war ich noch gelegentlich Fahrgast in diesen Wagen – die ich bei Auswahlmöglichkeit stets den n-Wagen (Silberlinge) vorgezogen habe.
noch digital: vierachsiger Umbauwagen B4yg

Ausgehend vom Modell von jtlan habe ich meien Interpretation des Vorbilds umgesetzt. In 9er Breite, in dunkelgrün und in baldiger Hoffnung auf dunkelgrüne Eisenbahnfenster von Bluebrixx. Die Fenster habe ich wenige Minuten nachdem mich die Mail über die Verfügbarkeit erreicht hat bestellt. Bereits nach wenigen Tagen waren sie vergriffen. Da war es schlau, schnell zugeschlagen zu haben. Hier scheint man offensichtlich den Nerv der Noppenbahner getroffen zu haben.
Auch die ein Vermögen kostenden dunkelgrünen 1×2 Fliesen sollen bei BB im Anmarsch sein. Hier war kein Zurückgreifen auf kompatible Elemente erforderlich, denn hiervon ich habe noch einige Originale im Bestand. Oberhalb der Türen könnte auch weniger auffällig auf 1×1-Fliesen oder schwarze Exemplare zurückgegriffen werden.
Zug aus Umbauwagen hält in Wattenweiler
Da es die in den Türen verwendeten Eisenbahnfenster 1x2x3 (4035) nirgends und von keinen Hersteller in dünkelgrün gibt, habe ich ganz frevelhaft zur Spraydose gegriffen. Bei MG-Prime gibt es Lacke in Pantone-Farben. Christopf Bartneck hilft, den richtigen Ton zu treffen.

Größere Verrenkungen hat das Dach erfordert, damit es eine schöne, runde Form erhält. Neben einem Berg Kurvenslops ist zudem eine Menge an Brackets und Platten erforderlich, die die Unterkonstruktion des Daches Bilden. Da sich über den Fenster keine Noppen befinden dürfen, wurde auf die Minifiguren-Standplatte 3×4 zurückgegriffen. Diese gibt es bei Bluebrixx in dunkelgrün.

Ich hoffe, irgendwann wird es die bisher nur im Stadion und im Fiat vorkommenden Bogensteine 65734 auch mal in grau geben wird. Immerhin sind diese mit dem Flügel jetzt auch in schwarz herausgekommen. Dann wird die Dachkonstruktion um einiges einfacher. Und das Dach lässt sich noch eine Plattenhöhe tiefer legen, so dass noch vorbildgerechteres Aussehen möglich wird.

Als der Prototyp noch nicht so fotogen war, habe ich erste Gehversuche mit stud.io unternommen. Eigentlich kann ich mich mit dem digitalen Bauen nicht so recht anfreunden. Lieber baue ich mit Steinen in der Hand, probiere aus und schaue. An dieser „Mischbauweise“ könnte ich für mache Projekte durchaus gefallen finden. Einige Ideen sind mir eher beim digitalen Bauen gekommen, andere bei manuellen Experimenten. Hilfreich ist das Digitalbild auch für den Abgleich mit dem Original. Ich bin, bis auf das derzeit kaum anders zu lösende Dach, mit dem Ergebnis zufrieden.

Die Abweichungen am Drehgestell sind kein Fehler. Das Minden-Deutz-Drehgestell weist einen längeren Radstand (2500 mm) als das meist nur bei den Gepäckwagen verwendete Schwanenhals-Drehgestell (2150 mm) auf.
MD41 Drehgestell für meine Umbauwagen
Insgesamt sind vier Wagen im Bau. Zwei mit ausschließlich zweiter Klasse, eine Wagen 1./2. Klasse (AB4yg) sowie einen mit Gepäckabteil (BD4yg). Und davor Werners V100 – das ergäbe einen schicken Zug. Vermutlich muss ich mir allerdings noch Gedanken um kugelgelagerte Achsen machen, sonst dürfte der Zug zu schwer rollen.
Sonderzug zum Start der Allgäu-Zollern-Bahn, Aulendorf, 28.05.1983
Gegenüber den heutigen Wagen haben diese klassischen Fahrzeuge noch einen manchmal sehr wichtigen Vorteil. Ein heutiger Doppelstockwagen transportiert sitzend für bis zu 142 Reisende. Für diese steht eine Toilette bereit. In den Umbauwagen gab es je Wagenseite, die 1. Klasse ausgenommen, hingegen eine Toliette. Also meist zwei Toiletten für 80 Reisende.

76 148 Ffm
76 148 Ffm von Hugh Llewelyn

Übrigens habe ich meine einzige Entgleisung in einem Umbauwagen erlebt. Beim „Inselfest“ an der Papierfabrik Baienfurt 1983. Die Fabrik existiert nicht mehr, die Strecke auch nicht. Immerhin ist die Dampflok der Papierfabrik erhalten geblieben und steht im Eisenbahnmuseum Nördlingen regelmäßig unter Dampf.
Entgleisung Inselfest Baienfurt Juli 1983

An des Wassers Scheide (1)


aufgenommen am 07.09.2019
Foto: Marion Zinser

Teil 1 – Das Vorbild

An der Schwäbischen Eisenbahn, deren Teil die Württembergische Südbahn ist, verläuft von Ulm an der Donau an den vom Rhein gespeisten Bodensee. Folglich befindet sich an dieser Strecke die europäische Wasserscheide zwischen Donau und Rhein. Weniger theatralisch: die zwischen Schussen und Riß. Oder noch stärker aufgetragen, die zwischen Schwarzem Meer und Nordsee. Auf einer Höhe von 578 m über NN, wie das aufgestellte Schild informiert und zugleich auch der höchste Punkt der Südbahn. Als Sehenswürdigkeit auf der Website der Gemeinde erwähnt.
Das Schild scheint inzwischen seinen Weg in eine Partykeller gefunden zu haben. Jedenfalls war es bei meinem letzten Besuch vor Ort nicht mehr vorhanden. Nur noch die beiden leeren Standrohre ragten in den Himmel. Das Schild am Richtungsgleis Friedrichshafen ist bereits viele Jahre zuvor entfernt worden.
Für die Dampflokheizer war dieses Schild sicher jedesmal eine kleine Freude. Denn schließlich war jetzt erst einmal das Schlimmste geschafft. Bei meinen ungezählten Fahrten über die Südbahn war es ebenfalls eine Ortsmarke, auf die ich bei Jeder Fahrt zur Kentnis achtete.

Die Lage des Vorbilds


Ausschnitt aus dem Bildfahrplan der Südbahn von 1981/82
Bei Streckenkilometer 147,43, auf einer Höhe von 577,8 Metern über NN lag die Dienststelle „TWAT“, oder „Bk Wattenweiler Hp ausgeschaltet“, wie mir mein Bildfahrplan verrät. Das Zeichen (<>) zeigt an, dass es sich um eine „Zeitweise ausgeschaltete Zugfolgestelle“ handelt.

Direkt östlich neben dem Schaltkasten am Bahnübergang stand einst das Gebäude.

Die Südbahn war in meiner Jugend meine „Hausstrecke“. Von einigen herausragenden Eisenbahnern an deren Bahnhöfen wurde ich nicht nur für die Eisenbahn begeistert, sondern auch in viele wichtige „Geheimnisse“ des Eisenbahnbetriebs eingeführt. Von den dort gelernten profitiere ich noch viele Jahrzehnte später. Nicht nur in Beruf und Hobby. Vielen Dank!

Im Kontext

Während die meisten der kleineren Bahnhöfe allesamt über unterschiedliche Gebäude, aber mit einem mehr oder weniger einheitlichen Stil verfügen wirken viele Empfangsgebäude der Haltepunkte eher wie aus Bahnwärterhäusern abgeleitet (Weißenau, Oberzell, Gerbertshaus). Auch die Haltestelle in Hochdorf ähnelt diesen Gebäuden, verfügt jedoch über ein steileren Giebel und somit ein höheres Dach. Die Haltepunkte in Kelhen und Löwental sind langgezogenen Flachbauten. Allerdings entstanden letztere Gebäude erst 1937 bzw. 1938.
Das Gebäude in Wattenweiler passt so gar nicht zu den anderen Gebäuden an der Strecke, auch wenn es ebenfalls im Zuge des zweigleisigen Ausbaus der Südbahn entstanden ist.

Unklar bin ich mir zum Gebäude in Schweinhausen, da von dort nur ein Grundriss zur Verfügung steht. Von der Größe her scheint es ähnlich zu Wattenweiler zu sein. Allerdings ist dort auch ein Wohnraum vorhanden, den ist in Wattenweiler m. W. nicht gegeben hat.

1983 hielt der letzte Zug

Betrieblich war der Haltepunkt Wattenweiler „zu meiner Zeit“ bereits unbesetzt und mit einer permanent durchgeschalteten Blockstelle verbunden. Alteingesessene Eisenbahner erzählten mir, dass die Blockstelle mit Personal besetzt würde, wenn der Indusi-Prüfzug käme. Dann würden die Signale auf Halt gestellt und der Magnet geprüft. Selbst erlebt habe ich das leider nie. Aber auch ohne den Prüfzug wollte ich das mal inspizieren. Es muss 1982 gewesen sein, das Sp Dr L 60-Stellwerk in Schussenried war kurz vor der Inbetriebnahme, als ich mich mit dem Fahrrad aufmachte um mir diesen mysteriösen Ort näher anzuschauen. Gut dreißig Kilometer waren es von meinem damaligen Wohnort aus. Das Gebäude war verrammelt, die Scheiben zugenagelt. Fotos gibt es leider keine, denn ich hatte als 13-jähriger Knirps noch keine Kamera. Zu fragen, ob ich die väterliche Spiegelreflexkamera ausgeliehen bekomme habe ich mich nicht getraut. Eigene Bilddokumente gibt es von diesem Zustand daher leider nicht. Mit der Blockstelle war es am 11.11.1982 vorbei. Das neue Stellwerk in Schussenried ging in Betrieb und damit auch die Selbstblocksignale Sbk 553 (Richtung Ulm) und Sbk 554 (Richtung Friedrichshafen). Am Samstag, den 28.05.1983 wurde an dieser Stelle der Haltepunkt Wattenweiler letztmalig angefahren.

Übrigens: Auch wenn in Wattenweiler nie eine Weiche lag, führt die Bahnhofsgasse zum ehemaligen Haltepunkt.

Zwei Jahre danach sah es so aus. Auch wenn keine Züge mehr hielten, waren 1985 Bahnsteig und Wartehalle noch vorhanden. Ungefähr an meinem Fotostandpunkt dürfte das Gebäude, um das es hier primär geht, gestanden haben.
Wattenweiler, 218 397, 26.07.1985, D960
D960 durchfährt Wattenweiler
218 397, aufgenommen am 26.07.1985
eigenes Foto

Archivfunde

Erfreut war ich, als mich Marion, eine Chronistin der Gemeinde Ingoldingen, kürzlich wegen Fotos, die Mitte der 80er Jahre entstanden sind, angesprochen hat. Von ihr wurde auch die Einladung zur Eröffnungsfeier am 6. Juli 1913 wieder entdeckt. Der Halt entstand somit erst im Zusammenhang mit Fertigstellung des zweiten Gleises und war somit nur an knapp 70 der 170 Jahren Südbahn in Betrieb.

Annonce im „Waldseer Wochenblatt“
Die Angebote auf die Ausschreibung der verschiedenen Gewerke zum Bau des Haltepunkts mussten bis zum 07. August 1912 bei der Bahnstation Essendorf eingereicht werden. Damals „konnte man in Württemberg noch Bahnhof“. In weniger als einem Jahr.

Annonce im „Waldseer Wochenblatt“ vom 25.07.1912

Marion hat mich auch auf das Landesarchiv Baden-Württemberg aufmerksam gemacht. Auf deren Website sind sehr viele Archivinhalte online verfügbar. Darunter Fotografien und Hochbaupläne der Bundesbahndirektion Stuttgart. Vom Gebäude des Haltepunkt Wattenweiler gibt es dort zwei online einsehbare Fotos von dem Gebäude in dem Zustand wie ich ihn damals erlebt habe. Mit dem handschriftlichen Zusatz „abgebrochen am 28.12.1982“ versehen.


Landesarchiv Baden-Württemberg, Staatsarchiv Ludwigsburg, Reichs-/Bundesbahndirektion Stuttgart: Fotografien / ca. 1930-1990, K 414 I Nr 1278,
Permalink: http://www.landesarchiv-bw.de/plink/?f=2-637627

Deren freundliche Lizenzbestimmungen erlauben mir die Wiedergabe der Fotos. Vielen Dank für den tollen Service.

Fotos aus der Zeit des Dampfbetriebs finden sich im HiFo von DSO:
Dampf vor 40 Jahren: Aulendorf – Wattenweiler, 13.08.1970 (m 10 B) von User „03 1008“
Dampf vor 40 Jahren: Abschiedsfahrt 03 088 Ulm – Bad Waldsee u. z., 03.09.1972 (m 15 B), ebenfalls von User „03 1008“

IC 119 am BÜ von Wattenweiler
IC 119 am BÜ von Wattenweiler
218 434 und 218 491 am 16. Februar 2019
Foto von „797 505“

Weitere Fotos vom Haltepunkt im Betrieb habe ich im Buch „Die Eisenbahn im Donautal“ gefunden. Die nicht nur Fragen beantworten, sondern auch neue aufwerfen.
Das Gebäude stand am Richtungsgleis Ulm, direkt am Übergang neben dem Schalthaus der Halbschranke. Auf der rechten, Schussenried zugewandten Seite des Gebäudes befand sich der Dienstraum mit den Einrichtungen der Blockstelle, auf der linken der Warteraum mit Fahrkartenschalter. Auf der südlichen Schmalseite des Gebäudes war zudem ein Trinkwasserbrunnen angebracht. Über der Tür zum Dienstraum die beiden Wecker für die Richtungen, daneben ein Streckenfernsprecher.

Nebengebäude

Auf einzelnen Fotos ist zudem ein Nebengebäude an Stelle der späteren Wartehalle zu sehen. Das es ist allen Abmessungen kleiner als das Empfangsgebäude ist, auch hier ein Walmdach vorhanden ist und ein garagenartiger Anbau vorhanden ist, erkennt man auf den Fotos. Das ist deutlich anders, als die bekannten Nebengebäude an den Bahnhöfen der Südbahn. Ich habe mich bei der Umsetzung daher am Abortgebäude von Dittwar (heute Stadtteil von Tauberbischofsheim) orientiert, das mir von Baujahr, Form und Größe passend erschien. Das wirkt stimmig, wird aber sicher durch Vorbildfotos oder -pläne, falls die mal auftauchen sollten, widerlegt.

Gut einhundert Meter weiter ulmwärts stand auf einer leichten Anhöhe zudem ein Bahnwärterhaus. Auch dieses ist leider längst verschwunden, wird aber der üblichen württembergischen Standardbauweise entsprochen haben, wie auch heute noch vielfach an der Südbahn anzutreffen. Der Halt lag am beginn einer langgezogenen Kurve mit einem Radius von etwa 1.500 Metern.
SGL-Maxima in Wattenweiler
Auf der Anhöhe des ehem. Bahnwärterhaus entstand das Foto der „Maxima“.
SGL-Maxima in Wattenweiler
Aufgenommen am 19. Oktober 2012
Foto: Stefan Schmid

Wattenweiler heute

Die Südbahn ist heute noch eine der wenigen verbliebenen, nicht elektrifizierten zweigleisigen Hauptstrecken in Deutschland. Die Doppelstockzüge werden vermehrt nicht mehr mit 218ern bespannt, sondern mit Diesel-Traxxen.
Knapp an der Regenfront vorbei...
Knapp an der Regenfront vorbei…
VT 611-Soppeleinheit am 12. September 2017
Foto: Claudius Bernhard

Diese modernen Fahrzeuge, stetige Quell vielen Kummers, sind inzwischen auch wieder historisch. Auch die letzte Garnitur ist abgestellt. Inzwischen fahren nur noch VT612-Neigezüge in gelber Landeslackierung. Auch die Schrankenanlage wurde im Zuge der Elektrifizierung durch ein moderneres Exemplar ersetzt, dass erst nach langer Sperrung in Betrieb genommen wurde.
Die Elektrifizierung der Südbahn ist im vollen Gange und zwischen Ulm und Ravensburg bereits recht weit gediehen. Einiges hat sich dadurch verändert. An die Masten muss man sich gewöhnen. Sicher werden nicht nur die allgegenwärtigen Traxx-Loks, sondern, außerhalb des planmäßigen Nahverkehrs, viele Baureihen die Fotofreunde entzücken. Lassen wir uns überraschen.

Zeitleiste

Datum ggf. Datum bis Änderung Quelle
26. Mai 1849 Eröffnung der Südbahn zwischen Biberach (Riß) und Ravensburg Wikipedia
1905 1913 Zweigleisiger Ausbau der Südbahn Wikipedia
07.08.1912 Vergabe der Hochbauarbeiten für den Haltepunkt Waldseer Wochenblatt vom 25.07.1912
06.07.1913 Eröffnung des Haltepunkt Wattenweiler Waldseer Wochenblatt
ca. 1975 Keine durchgehende Besetzung der Blockstelle. Verlegung des Richtungsbahnsteigs Friedrichshafen hinter den Bahnübergang. Bau einer automatischen Halbschrankenanlage. Akten zur Organisation der Außenstelle Wattenweiler im Landesarchiv gehen bis 1975. Einsichtnahme ist nicht erfolgt.
01.11.1982 Inbetriebnahme der Sp L Dr S 60-Stellwerks in Bad Schussenried inkl. der SBK. Auflassung der Blockstelle Wattenweiler, ersatz durch SBK 553/554. Die Eisenbahn im Donautal
28.12.1982 10.01.1983 Abbruch des Empfangsgebäudes Vermerk auf einem Foto im Landesarchiv (früheres Datum); Vermerk auf einem privaten Foto
28.05.1983 Letzter Planmäßiger Halt eines Reisezugs in Wattenweiler Kursbuch der Deutschen Bundesbahn Winter 1982/83 sowie Sommer 1983
11.03.2019 15.07.2019 Elektrifizierung zwischen Biberach(Riß) und Aulendorf
vsl. 11.12.2021 Aufnahme des elektrischen Betrieb auf der Südbahn

245 007, Wattenweiler, 18.02.2020, RE 4222

Ski und Rodel gut mit dem VB 141

Für den Transport von Skiern mit den Ausflugstriebwagen von der Reichsbahn ein entsprechender Anhänger konzipiert, aber nicht realisiert. Mitte der 50er griff die Bundesbahn diese Idee auf und lies ein entsprechendes Fahrzeug bauen. Auch wenn die Anhänger tatsächlich mit den Aussichtstriebwagen VT90 und ET91 zum Einsatz gekommen sind, die größere Zahl diente dem Transport von Fahrrädern und Reisegepäck mit den einmotorigen Schienenbussen VT95.

Hinter dieser Typbezeichnung verbirgt sich ein seltener Anhänger für den einmotorigen Uerdinger Schienenbus VT95. Damit konnten einige Fahrräder oder Gepäck mitgenommen werden, auch wenn der Triebwagen ohne Beiwagen, der über ein Gepäckabteil verfügt, unterwegs war. Nicht einmal Wikipedia hat ein Bild von diesem Fahrzeug.

Das urige Verhikel war zwischen 1952 und 1961 im Einsatz. Lediglich im Raum Passau hielten sich noch zwei Anhänger bis 1968.

Wie so häufig waren die Wege beim Bau des Modells mal wieder ziemlich verquer. Angeregt durch das aktuelle Modell von Feanor001, das widerum stark von Flogo inspiriert ist wollte ich eigentlich einen der beiden aus dem Serien-VT95 umgebauten Indusi-Messwagen nachbauen. Nachdem ich Flogos Modell telweise nachgebaut hatte, viel mir eine Maßskizze des Uerdingers in die Hände. Der Schienenomnibus von Flo ist zwar wunderschön, für einen 1:42-Fetischisten wie mich aber viel zu klein. Also ein Neubeginn, wenn auch weiter unter Verwendung vieler von Flos Ideen. Doch der Triebwagen muss noch auf seine Fertigstellung warten. Im Zuge der weiteren Recherche bin ich auf den Anhänger gestoßen, der als Fingerübung vor dem roten bzw. gelben Blitz entstanden ist. Zumal ich ein Faible für Vorbilder habe, die aus Klemmbausteinen bisher noch nicht realisiert wurden. Ehrensache, dass dem Anhänger auch ein VT95 folgen muss.

Auch wenn ich das Modell aufklappbar gestaltet habe. Fahrräder lassen sich darin leider nicht transportieren. Immerhin passen ein paar Koffer hinein. Und, da der Schienenbus mitunter auch als Ferkeltaxi verspottet wurde, taugt er aucvh als Schweineanhänger. Hier mit Tieren aus chinesischer Produktion.

Es hat mir viel Freude bereitet, dieses Modell zu bauen. Der Grundkorpus stand innerhalb von Minuten und entsprach bereits nahezu dem fertigen Modell. Allerdings gab es eine Vielzahl von Verfeinerungen, die nach und nach durchgeführt wurdem. Lampen, Kupplungsattrape, Standfüße und vor allem die zumindest einseitig zu öffnende Haube. Was mir besonders gefällt: trotz der Funktionen ist das Modell, bis auf die Beschriftung, völlig puristisch gebaut. Ich bin schon gespannt, wie sich der Anhänger fahren wird. Ich fürchte, da wird noch etwas Ballastgewicht erforderlich sein.

Den Bausparvertrag doch nicht kündigen

Leider gibt es seit fast zehn Jahren keine neuen Sets mehr, in denen die Eisenbahnfenster (4033 bzw. 6556) verbaut sind. Das ist schade, denn die abgerundeten Ecken und die bündigen Fensterrahmen der Übersetzfenster tragen erheblich zur gelungenen Optik eines Schienenfahrzeugs bei.

Vor einiger Zeit hatte ich bereits bei Aliexpress einen Händler Rahmen gefunden, der Entsprechendes im Angebot hat. Wenn auch nur in weiß und braun und ohne Scheiben. Immerhin, die braune Farbe gab es beim Original nie in einem Set.

Gerne hätte ich diese Rahmen auch im besonders teuren beige („tan“) gehabt. Diese gab ausschließlich in dem arg kurz geratenen „Emerald Night“ 10194. Doch für diese werden gebraucht rund sieben, neu sogar zehn Euro aufgerufen und bezahlt. Pro Fensterrahmen und ohne Scheibe. Das ist mir bei aller Liebe zu Bausteinen und Eisenbahn doch arg viel.

Inzwischen bin ich diesbezüglich fündig geworden. 11,63€ kosten aktuell zehn Rahmen inklusive Scheiben und Versand. Das passt eher zu meinen Preisvorstellungen. Und der Bausparvertrag bedarf keiner Kündigung.

Sobald die Testbestellung eingetroffen ist, erfolgt ein Update.

das Rad neu erfunden (4)

der Download – endlich

Da die Datei zur Zeit nicht bei Thingiverse erhältlich ist habe ich sie auf meinem eigenen Webspace bereitgestellt.
STL und SCAD-Dateien für mein Eisenbahnrad_V18

Nach vielen dutzend gedruckten Testrädern und Fahrwerksmodellen hat die Datei inzwischen einen Stand erreicht, in dem ich mich zur Veröffentlichung traue. Die Dateien sind über thingiverse.com erhältlich.

Über Rückmeldungen mit Erfahrungen würde ich mich sehr freuen, ebenso wie Berichte oder Fotos von Euren Ergebnissen.

Ich glaube zwar nicht, dass ich es auch nur annähernd in die Spitzenliga der Eisenbahnbauer schaffen werde. Aber vielleicht leiste ich einen Beitrag, das die Spitzenmodelle noch ein wenig schöner werden. Und die Grenzen zwischen LEGO® und Modellbau noch weiter verschwimmen.

Weiterverarbeitung

Für Leute ohne 3D-Drucker gibt es Druckdienstleister-Portale wie Treatstock. Trotz eigenem Drucker greife ich gelegentlich bei Bauteilen, die langer Druckzeit bedürfen oder größerer benötigter Menge auf deren Dienste zurück.

Für bessere Passungen der Bohrungen verwende ich eine Handreibahle für 4,76 mm (3/16 Zoll) die es günstig beim Chinamann gibt (aktuell leider nicht). Eine 5mm-Ahle ist zu groß!

Um einen Abstand zwischen Lokomotivrahmen und Spurkranz herzustellen, haben die Eisenbahnräder von LEGO® ein um etwa 0,25 mm vorstehende Radnabe. Dieser ist für das sichere Befahren von Weichen und Kreuzungen erforderlich. Bei einem Druck des Rades direkt auf dem Druckbett lässt sich dieses – zumindest auf meinem Drucker – nicht realisieren. Ich drucke die Räder daher mit einem Abstand von ca. 2mm und erzeuge entsprechendes Stützmaterial.

Einbau

Wenn Pins für die Stangen verwendet werden, ist auf die Ausführung „without Friction Ridges“ zu achten.

  • 4274 Technic, Pin 1/2
  • 32002 Technic, Pin 3/4
  • 3673 Technic, Pin without Friction Ridges Lengthwise
  • 3749 Technic, Axle Pin without Friction Ridges Lengthwise

Für Wunschfarben muss nicht unbedingt auf teure Q-Parts zurückgegriffen werden. Wer selbstgedruckte Räder verbaut darf eigentlich auch nicht vor Pins aus chinesischer Prosduktion zurückschrecken. Beispielsweise bei Aliexpress in der Kategorie Blocks nach „Technic Pin“ suchen.

Beispielsweise diese hier:

Nutzungsrechte und Haftungsausschluß

Die Dateien veröffentliche ich unter CC BY-SA 3.0 DE (Namensnennung – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 Deutschland).

Darüber hinaus würde ich mich freuen, wenn bei der Verwendung in Modellen auf meine Urheberschaft hingewiesen würde. Ebenso würde ich mich über Kommentare mit Erfahrungsberichten oder Fotos über der Verwendung und Verfeinerung freuen.

Ich gebe keine Garantien hinsichtlich des Werks und übernehme keinerlei Haftung für irgendwelche Nutzungen des Werks, soweit das gesetzlich möglich ist.

Vor der Fertigung oder Bestellung größerer Mengen empfehle ich den Probedruck eines einzelnen Exemplar und dessen sorgfältige Kontrolle.

Das Rad neu erfunden (1)
Das Rad neu erfunden (2)
Das Rad neu erfunden (3)
Das Rad neu erfunden (4)

wird fortgesetzt

das Rad neu erfunden (3)

Inzwischen dreht auch der erste Prototyp-Fahrgestell seine Runden über den Testparcours um zu schauen, ob die Räder auch in der Praxis taugen. Im Zuge dieser Tests wurde das Spurkranzprofil überarbeitet.

Wenn aus dem Torso mal eine Lok wird, kann der Motor leider keinen Platz mehr finden. Dennoch ist die Württembergische T5 (Reichsbahn/Bundesbahn Baureihe 75.0) ein dankbares Versuchsobjekt. Soll das vor fast 100 Jahren entstandene Vorbild doch über ausgezeichnete Laufeigenschaften verfügt haben. Leider wurden alle Vorbildexemplare verschrottet.

mal was kryptisches

Auf Grund der Vielzahl der möglichen Rädervarianten – alleine im Umzeichnungsplan von 1967 der Deutschen Bundesbahn sind 30 Dampflokbaureihen enthalten – werden zumindest in der Erstauslieferung nur wenige Räder enthalten und als STL-Dateien beigefügt sein.

Für das Erstellen eigener Räder ist es erforderlich, sich mit OpenSCAD zu befassen und nur an den richtigen Stellen die Variablen zu verändern.

Für den Druck mit Filamenten in zwei verschiedenen Farben kann eingestellt werden, ob nur der Radreifen oder nur die Radscheibe gerendert werden soll. Zudem könnt ihr hier schnell einstellen, ob das Rad mit oder ohne Spurkranz gedruckt werden soll.

//bei zweifarbigem Ausdruck getrennte Objekte für Radreifen und Radscheibe
Radreifen = 1;
Radscheibe = 1;
// für Räder mit und ohne Spurkranz
Spurkranz = 1;
//Beschreibungstext auf der Innenseite
Txt = 1;

Der Beschreibungstext ist erst beim Druck mit feiner Düse, z.B. 0,2 mm, erkennbar. Dieser kann helfen, die losen Räder passend zuzuordnen.

Die Auflösung der Kreisobjekte ist so voreingestellt, dass der Umfang größerer Objekte detaillierter dargestellt werden. Voreingestellt sind:


fnDetail = RadDurchmesser*pi/2;
fnGrob = 18;
$fn = fnGrob;
.

So bleiben die Rechenzeiten und Dateigröße bei sinnvoller Qualität im Rahmen.

der Standard

Für die ganzen Parameter, über die erst das Rad definiert wird habe ich default-Werte festgelegt. Wenn diese verändert werden, hat das Einfluss auf alle Räder, da nur die vom default abweichenden Größen individuell definiert werden.

// Default-Werte; Änderungen wirken sich auf alle Räder aus!
RadDurchmesser = 24.00;
SpurkranzHoehe = 3.20;
RadBreite = 0.93;
GesBreite = 1.00;
SpeichenAnzahl = 0;
SpeichenWinkel = 0.00;
Nabenwinkel = 0.00;
Kurbelzapfen = 0;
Kurbelkreuz = 0;
NabeD = 1.00;
Gegengewicht = 0;
GgwRadius = 0.00;
GgwIDurchm = 8*NabeD-0.2;
GgwVersatz = 0.00;
GgwWinkel = 0.00;
RiA2 = 1.00;
Haftreifen = 1.10;
Achsstand = 5.00;
Huelse = 0.25; //Objekt zum Druck ca. 2mm in z-Richtung verschieben und mit Stützmaterial drucken

Mindestradius = 40.00;
Spurweite = 4.00;
GleisInnen = 2.80; // Rillenbreite
// Ende Default-Werte

kleines Rad

Mit ganz wenig Werten ist ein kleines, schmales Vollrad definiert.
Beschreibung = "kleines Rad"; //d=525mm
RadDurchmesser = 22.5;
RadBreite = 2/3;
Haftreifen = 0;
Achsstand = 4;

Speichenrad für den G8.1-Tender

Auch ein Speichenrad für einen Tender oder Wagen benötigt auf Grund des fehlenden Stangenantriebs nur wenige Angaben.
Beschreibung = "Speichenrad Tender 3T16,5"; //d=1000 mm
RadDurchmesser = 24;
SpeichenAnzahl = 11;
Haftreifen = 0;
Achsstand = 13;

etwas komplizierter, die 50

Ein „normales“ Dampflokrad ist an der Baureihe 50 verbaut. Vor allem für das Gegengewicht sind zahlreiche Parameter zu definieren. Erst beim genauen Hinsehen erkennt man, dass die Gegengewichte nur selten symmetrisch angeordnet sind.
Beschreibung = "BR 50 Treibrad Achse 3";
RadDurchmesser = 33.6;
SpeichenAnzahl = 15;
SpeichenWinkel = 180;
Kurbelzapfen = 1;
NabeD = 1.35;
Gegengewicht = 1;
GgwVersatz = 530/1400;
GgwRadius = 1000/700;
GgwWinkel = -7.43;
Achsstand = 10;

Die dreizylindrige Krönung

Noch toller wird es bei dreizyindrigen 01.10. Da die Räder hier nicht um 90°, sondern um 120° versetzt sind, muss die Radnabe (Nabenwinkel) auf einer Seite gegenüber dem Kurbelzapfen verdreht werden. Somit ist für jedes der 6 Treib- bzw. Koppelräder eine eigene Datei erforderlich.
Beschreibung = "BR 01.10 Treibrad vorne links";
RadDurchmesser = 48;
SpeichenAnzahl = 21;
Nabenwinkel = 30;
Kurbelzapfen = 1;
NabeD = 1.5;
Gegengewicht = 1;
GgwVersatz = 0.339;
GgwRadius = 2.5;
GgwWinkel = -62.58;
Achsstand = 14;
Mindestradius = 56;

das Dreibein

Das "Dreibein" V60 (DB) bringt eine weitere Eigenheit mit. Hier sind die Speichen außen vollständig abgerundet. Dafür habe ich den Parameter für die äußere Abrundung der Speichen (RiA2) nach oben gezogen.

Beschreibung = "V60 DB - Achse 1"; //d=1250 mm
RadDurchmesser = 32.0;//32.14;
SpeichenAnzahl = 13;
SpeichenWinkel = 180;
Kurbelzapfen = 1;
NabeD = 1.30;
Gegengewicht = 1;
GgwVersatz = 0.39;
GgwRadius = 2.5;
GgwWinkel = -5;
RiA2 = 99; //max
Achsstand = 13;

zum Vergleichen

Zum Vergleichen die Durchmesser der verschiedenen fertigen Eisenbahnräder.
klein: 8.2 mm
alt: 14.6 mm ohne Haftreifen
normal: 17.0 mm 55423
BBB S: 17.6 mm
Shupp MS: 20,5 mm
BBB M: 24.0 mm
Schupp M: 24,0 mm
Shupp ML: 27,9 mm
Dampflok: 30.0 mm 85489a/b
BBB L: 30.4 mm
Shupp L: 30,5 mm
BBB XL: 36.8 mm
Shupp XXL: 43,6 mm

die Kalibrierung

Die grundsätzlichen Abmessungen der Elemente sind ebenfalls in der Datei festgelegt. Falls der Drucker so eingestellt ist, dass der Prüfquader in korrekter Größe hergestellt wird, kann ggf. – mit entsprechender Vorsicht – hier nachjustiert werden. Die Achsmaße (AchsBreite, AchsLaenge) sind für strammen Sitz und somit ggf. etwas knapp bemessen. Bei Bohrungen sollte AchsLaenge nicht vergrößert werden, sondern mittels Handreibahle nachbearbeitet werden.

// Kalibrierung
SteinBreite = 8.00;
SteinHoehe = 9.60;
Luecke = 0.10;
Luecken = 2*Luecke;
Wandstaerke = 1.40;

AchsBreite = 1.88;//1.85;
AchsLaenge = 4.90;//4.85;
AchsKrWinkel = 1.25;
AchsInkreisD = 0;//3.3;

NoppenDaussen = 4.95; //V1=4.80
NoppenDinnen = 3.30; //V1=3.25
NoppenHoehe = 1.80;

BodenHoehe = 2.25;//SteinHoehe/4.5;
BodenSeitRohr = 1.30; //alter Wert 1,20

FaseD = 6.20; // Durchmesser der Bohrung um Technik-Loch
FaseT = 0.85; // Tiefe der Fase

Das Rad neu erfunden (1)
Das Rad neu erfunden (2)
Das Rad neu erfunden (3)
Das Rad neu erfunden (4)

das Rad neu erfunden (2)

Wie bereits im ersten Teil gezeigt, habe ich mich aufgemacht, ein eigenes Eisenbahnrad zu entwickeln. Wie meist konstruiere ich nicht eine Lösung für einen einzelnen Anwendungsfall, sondern ein Universaltool, mit dem aus einer Konstruktion viele Ausgabeprodukte entstehen können. OpenSCAD ist dafür eine großartige Hilfe.

Im Laufe eines Jahres und einiger dutzend gedruckter Prototypen schritt die Konstruktion eines eigenen Eisenbahnrads weiter voran. Dabei flossen neben Verbesserungen auch weitere Konfigurationsmöglichkeiten ein.

Die Treibräder einer 01.10 entstammen einem früheren Entwicklungsstand, aber sind trotzdem ganz nett anzusehen. Auch wenn die Konstruktion inzwischen in einigen Details weiter verbessert wurde.

Neben der grundlegenden Geometrie der Elemente können spezifisch für das jeweilige Rad eigenen Parameter definiert werden. Im Laufe der Entwicklung und der Beschäftigung mit Rädern des Vorbilds haben sich die definierbaren Parameter fleißig vermehrt. Die Bedeutung der Werte werden in einer der Datei beigefügten PDF erklärt.

das Lastenheft

Neben der freien Konfigurierbarkeit von Durchmesser und Speichenzahl waren mir einige Unterschiede zu den bekannten Rädern wichtig.

  • die Montage von Haftreifen ist möglich
  • geeignet für zweifarbigen Druck mit unterschiedlichen Farben für Radreifen und Radscheibe
  • der Spurkranz tritt leicht gegenüber Nabe und Gegengewicht zurück
  • die Speichen weisen einen abgerundeten Querschnitt auf
  • die Speichen laufen in Richtung vom Radreifen zur der Radnabe leicht spitz zu
  • das Gegengewicht ist nicht zwingend zentrisch platziert
  • an Achsstand und Radius angepasste Spurkranzbreite
  • der Übergang von der Speiche zum Radreifen ist partiell abgerundet
  • der Durchmesser der Radnabe ist konfigurierbar

Um die Merkmale eines Dampflokrades überhaupt zu verstehen, waren einige Original-Konstruktionszeichnungen, die ich im Historischen Eisenbahn Archiv von Peter Zander erworben habe, sehr hilfreich.


Die Räder für eine Seite einer „01“. Die Druckdauer liegt je nach Qualität und Drucker im Bereich eines Arbeitstages. Für die 01.10 wäre das Kurbelkreuz auf der gegenüberliegenden Seite auf Grund der 120°-Teilung des Dreizylindertriebwerks versetzt.

Räder, Gegengewicht und Koppelstange für eine Jung R42C in der Ansicht des Sclicers.
Druckdauer in mittlerer Qualität und 25% Infill knapp 2 Stunden. Benötigtes Material: 5m Filament (1,75mm). Die Kosten für Material und Stromkosten betragen weniger als einem Euro.

Hintergründiges zur Konstruktion

Die Räder werden nur in seltenen Fällen radial angeordnet sein. An dem Funktions-Prototyp der V65 mit Beugniot-Hebel ist gut zu erkennen, wie groß der Winkel zwischen Rad und Schiene werden kann.

Dementsprechend kann der Spurkranz mit der Schiene in Konflikt geraten. Aus diesem Grund wird der Spurkranz in der Modellumsetzung ggf. bei kleinen Radien, größeren Radständen und größeren Rädern schmaler ausgeführt. Das notwendige Maß ist in der Konstruktion vollständig verformelt.

Zusätzlich ist die entsprechende Herleitung in Tabellenkalkulations-Form enthalten.

Damit sinnvoll Räder unterschiedlicher Größe in einem Fahrzeug verbaut werden können, sollte die Differenz der Räder („RadDurchmesser“) in einem vielfachen einer halben Plattenhöhe (1,6 mm) stehen). Die weitere sinnvolle Differenz ergibt sich aus der Bautechnik und natürlich dem Vorbild.

Gedruckt habe ich bisher auf dieser Basis Räder für Dampfloks der Baureihen 01, 50 und 55, deren Tender sowie der Stangen-Diesel-Lokomotiven V60 (DB), V65 und Jung R42C. Die zugehörigen Loks werden sicher nach und nach folgen.

Als Haftreifen verwende ich O-Ringe in einem Millimeter Breite. Angegeben ist der Innendurchmesser. Für ein 26mm-Rad ist somit ein Ring 24,0×1,0 erforderlich. Oder einige mm enger. Die Ringe gibt es günstig in China.

Normalerweise kann sich die Breite der Treib bzw. Schubstange mit einer halben Steinbreite an den schmalen Technic-Liftarmen orientieren. Bei seitenverschieblichen Achsen kann ein Abstand zwischen Rad und Treibstange sinnvoll sein. Mit entsprechendem Drucker können die Treibstangen auch zweifarbig ausgeführt werden, wie z.B. hellgrau/rot für viele Bundesbahnloks.

Die Treibstangen stellen hohe Anforderungen an die Maßhaltigkeit. Bereits Abweichungen im Bereich von einem halben Prozent führen zu einem schwergängigen Fahrwerk. Daher sollte gerade hier gewissenhaft die Längenausdehnung des Materials (z.B. bei ABS) überprüft werden.

Neues aus der Werkstatt

Inzwischen ist der Flashforge Finder wieder verkauft. Statt dessen habe ich, wieder von Flashforge und wieder gebraucht gekauft, einen Creator Pro im Einsatz. Dieser verfügt über ein größeres, beheiztes Druckbett mit dem endlich auch das ersehnte ABS gedruckt werden kann. Zudem verfügt er über zwei Druckköpfe, so dass mehrfarbige Teile entstehen könne. Wie rote Eisenbahnräder mit grauen Radreifen.

Als Slicer setze ich nicht mehr das zum Drucker gehörende Flashprint ein, sondern habe mir nach langem Überlegen und einigem Ausprobieren für das nicht ganz billige Simplyfy3D entschieden.

Mit denhttps://blog.5zu6.de/wp-admin/edit-tags.php?taxonomy=post_tag Ergebnissen von Drucker und Slicer bin ich, nach gewisser Lernkurve, ziemlich zufrieden. Auch wenn es sicher viele andere gute Drucker und Slicer gibt.

Das Rad neu erfunden (1)
Das Rad neu erfunden (2)
Das Rad neu erfunden (3)
Das Rad neu erfunden (4)

das Rad neu erfunden (1)

Vorweg. Das Rad wurde, trotz der reißerischen Überschrift, nicht neu erfunden. Aber es wurden neue Wege zu vorbildgerechteren Rädern gefunden. Auch wenn dieser heute mal nicht über China, sondern über den 3D-Drucker führt. Ein paar Lösungen aus den Frühzeiten wurden bei 1000steine.de zusammengetragen.

Da die Datei zur Zeit nicht bei Thingiverse erhältlich ist habe ich sie auf meinem eigenen Webspace bereitgestellt.
STL und SCAD-Dateien für mein Eisenbahnrad_V18

Einer der Bereiche, in denen Custom-Parts eher akzeptiert werden, sind Eisenbahnräder. Weil es bis zum 2009 erschienene Emerald Night kaum Möglichkeiten gab. Und es bei Rädern, anderes als bei anderen fehlenden Bauteilen, kaum sinnvolle Lösungen für Workarounds gibt.

bestehende Lösungen

Bei vielen werden vor allem die Spitzguss-Räder von Big Ben Bricks verwendet. Auch die über den 3D-Druck-Dienstleister Shapeways erhältlichen Räder von Shupp finden eine gewisse Verbreitung. Bein Thingiverse gibt es zudem ein konfigurierbares Eisenbahnrad von Thidney.

Jason Steinhurst hat die verschiedenen Rädergrößen zusammengestellt:
All The Currently Available, Lego Compatible, Train Wheel Sizes

wir haben die Kraft

Ein Nachteil der BBB-Räder und der Shupp-Räder sind die fehlenden Haftreifen. Im 3D-Druck stehen hinter der entsprechenden Nut nur ein paar Zeilen.

weil mir das nicht ausreicht

Für meine Vorbilder erschienen mir diese im Vergleich zu früher großartigen Möglichkeiten immer noch nicht ausreichend. Die Lücke zwischen dem ganz kleinen Eisenbahnrad mit einem Durchmesser von 8,2 mm (2927/50264) und dem normalem Eisenbahnrad mit 17 mm Durchmesser (55423c01) gab den Anstoß, etwas eigenes zu entwickeln.


Die erste Vorschau-Ansicht eines Treibrad-Satzes für eine 01.10. Für die andere Seite ist die Achse um 30° gedreht, da es sich um eine Dreizylinder-Lok handelt.

weiteres Radzubehör

Neben den Rädern sind Treibstangen und, für Dieselloks mit Stangenantrieb ein Gegengewicht am Blindwellenantrieb, notwendig.

Gedruckte Treibstangen sind beispielsweise beim US-amerikanischen Bricklink-Händler zephyr erhältlich.

Wird fortgesetzt.

Das Rad neu erfunden (1)
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